ÖBS-Mann Bühl will in den Ständerat
Zwei Sitze gibt es, vier Kandidaten wollen sie haben: Langsam wird der Wahl- kampf um den Ständerat
so richtig spannend.
Im US-Wahlkampf würden sie wohl von einer «Decision Week» sprechen: Am Montag war alles noch ziemlich
nebulös. Es war umstritten, ob sich die beiden bürgerlichen Parteien im Kanton Schaffhausen im Kampf
um den Ständerat zusammenraufen würden. Es war unentschieden, wen die SP nominieren würde. Es war
unklar, was die CVP vorhat. Es war unbestimmt, mit wem die ÖBS kommt.
Jetzt, aufs Wochenende hin, hat sich der Nebel gelichtet. FDP und SVP unterstützen sich gegenseitig,
die SP hat ihren Kandidaten gekürt, ein potenzieller CVP-Kandidat denkt laut über eine Kandidatur
nach. Und seit gestern wissen wir: Die ÖBS wird im Wahlkampf von einem bestens bekannten Mann
vertreten: Herbert Bühl, alt Regierungsrat, wird ins Rennen um einen Ständeratssitz steigen
(siehe auch Kästen weiter unten).
«Ja, das ist ein Risiko»
Dass die ÖBS sich in den Kampf um den Ständerat einmischt, war nicht unbedingt zu erwarten. Einerseits
sind die personellen und finanziellen Ressourcen bei der kleinen Bewegung nicht besonders gross.
Andererseits könnte die ÖBS ungewollt zur Steig- bügelhalterin der Rechten werden. Dann nämlich, wenn
sich die Stimmen in erster Linie von SP-Kandidat Matthias Freivogel hin zu ÖBS-Mann Bühl verschieben.
«Ja, das ist ein Risiko», sagt ÖBS-Präsidentin Iren Eichenberger, «aber angesichts dessen, was wir
zu gewinnen haben, nehmen wir das in Kauf.» Der Eintritt Bühls in den Wahlkampf könnte noch weitere
Konsequenzen haben. So ist fraglich, ob CVP-Mann Heinz Aemisegger, der sich als bürgerlichen Politiker
mit grünen Interessen versteht, jetzt noch Lust verspürt, in das Rennen einzusteigen. Offen ist auch,
ob Thomas Minder sich nun doch noch anmeldet oder ob sich der umtriebige Unternehmer aus Neuhausen
hinter Bühl stellen wird. So oder so hat Bühl nur eine Chance, wenn er mehr als nur das links-grüne
Wählerpotenzial mobilisieren kann. Dass ihm das gelingt, davon ist Bühl aber über- zeugt: «Meine
Wahlchancen sind absolut intakt», sagt er. «Ich denke, dass ich parteiübergreifend Leute ansprechen
kann.» Zumindest in der Vergangenheit gelang ihm dies tatsächlich. So konnten er und seine Partei
1999 der FDP einen Sitz in der Kantonsregierung wegschnappen. Er wurde Nachfolger von Peter Briner,
der damals in den Ständerat gewählt wurde. Des Mannes also, dessen Nachfolge Bühl nun auch im Ständerat
antreten könnte. Als eidgenössischer Parlamentarier möchte sich Herbert Bühl für die Neuausrichtung
der Energieversorgung auf der Basis erneuerbarer Energien einsetzen. Weiter fordert er einen sicheren
Umgang mit den radioaktiven Abfällen. «Die Ereignisse in Japan haben bei vielen Menschen die Bereitschaft
ausgelöst, die Energiepolitik wirklich zu überdenken. Wir können jetzt die Chance packen, den Umbau
hin zu nachhaltigen Energien in die Wege zu leiten», sagt Bühl. Er will sich weiter für die Etablierung
eines finanzierbaren und weiterhin hochstehenden Gesundheitswesens einsetzen. Zudem fordert Bühl eine
bessere Anbindung mit dem öffentlichen Verkehr an Zürich, Winterthur und Basel. Ob Bühl den Sprung nach
Bern schafft, wird sich am 23. Oktober zeigen. Klar ist aber heute schon: Unterschätzen darf man ihn
nicht. Bei den Regierungsratswahlen 2000 galt er als schwächster Kandidat. Tatsächlich aber holte er
dann so viele Stimmen wie kein anderer.
(Zeno Geisseler)
Ausbildung
Herbert Bühl, geboren 1956, hat Erdwissenschaften an der ETH Zürich und Geografie an der Universität
Zürich studiert.
Politisches
Bühl war von 2000 bis 2004 Schaffhauser Regierungsrat. Davor war er Mitglied der Parlamente der Stadt
und des Kantons Schaffhausen. 2004 verpasste er die Wiederwahl als Regierungsrat. 2006 bewarb er sich
als Stadtammann von Kreuzlingen, zog seine Kandidatur aber noch vor den Wahlen zurück.
Beruf
2005 wurde Bühl Präsident der Eidgenössischen Natur- und Heimatschutz- kommission (ENHK). Von 2007 bis
März 2011 war Bühl Direktor des Aargauer Naturmuseums Naturama. Vor Kurzem gründete er mit Konradin
Winzeler die Firma Winzeler + Bühl, Raumplanung und Regionalentwicklung in Neuhausen. Weiter begleitet
er als Mitglied des Beirats «Entsorgung» die Standortauswahl für die Lager für radioaktive Abfälle.
(zge)
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